Das Auge des Betrachters

von Ulrike Lohmann (Kommentare: 0)

Über das Auge von Pferd und Mensch

nimmt so unterschiedliches wahr, wie Mensch und Pferd sich in ihrem Wesen unterscheiden Dafür möchte ich Euch über ein Beispiel schreiben:

Pferd und Reiter

reiten spazieren durch den Wald. Plötzlich, aus dem Nichts, verharrt das Pferd und starrt in den Wald hinein. Der Mensch, der den Weg im Auge behalten hatte, schaut nun auch suchend in den Wald, kann aber nichts sehen. Er fordert sein Pferd auf, weiter zu gehen und beide setzen friedlich ihren Ausritt fort. Natürlich kann so eine Situation auch anders enden, im größten Stress, wir wollen aber mal nicht den Super GAU annehmen.

Wir können anhand dieses kleinen Beispiels mal betrachten, wie unterschiedlich Mensch und Pferd ihr Sinnesorgan Auge nutzen.

Das menschliche Auge
Das Auge des Menschen nimmt anders wahr

Das menschliche Auge

verfügt über einen Blickwinkel von ca 150°. Wobei sich das Blickfeld beider Augen mit ca.120° überschneidet und dort ein Bild mit der nötigen Tiefenschärfe abbildet. Die Anordnung unserer Augen ist vorne im Gesicht. Deshalb verfügen wir über ein sehr viel schärferes Bild in unserer Wahrnehmung durch beide Augen gleichzeitig. Die Ränder unseres Sichtfeldes sind auch für uns ebenfalls sehr unscharf und werden eher als diffuse Wahrnehmung erfasst, um unsere Aufmerksamkeit dorthin zu wenden und das Geschehen scharf zu betrachten. Ähnlich also wie das Pferd.

Wir schaffen aus der optischen Wahrnehmung ein Bild, allerdings um den Preis, das unser Sichtradius deutlich eingeschränkter ist, als das des Pferdes. Als Jäger, die wir von Natur aus sind, ist das ganz wunderbar; wir pirschen durch den Wald und fokussieren unsere Beute, weil wir sie gezielt suchen und bejagen wollen. In der Tierwelt ist das vergleichbar mit den Eulen, auch sie fokussieren die Beute mit beiden Augen gleichzeitig und erjagen sie so. Allerdings haben sie noch andere Fähigkeiten, die uns eher das Leben kosten würden. Unsere Halsmuskulatur erlaubt uns ein schnelles Erfassen durch das Drehen und Wenden des Halses um ca. 180° von rechts nach links, je nach Verspannung der Halsmuskulatur. Danach müssen wir unseren Körper mitbewegen. Da lacht sie Eule drüber ins Fäustchen, sie kann ihren Hals ruhig auf dem Ast sitzend um knapp 350° von rechts nach links wenden.

Der Mensch als Jäger nimmt den Wald ganz anders wahr als das Fluchttier Pferd. Er reitet sein Pferd und macht sich keine Sorgen, denn vor sich hat er den Weg über sich die Wipfel und, wenn er Glück hat, dieses Jahr 2017, auch die Sonne. Er geniesst und denkt an dies oder das oder auch an nichts. Als satte Jäger, sind wir anders auf die Umwelt konzentriert als das Pferd, das sich als potentielle Beute durch seine Welt bewegt. So, wie der moderne Mensch sich nicht mehr mit den Gefahren der Natur beschäftigen muss, hat das moderne Pferd sein Fluchtverhalten und Sichern der Umgebung nicht abgelegt. Der Mensch hat vergessen, was das Pferd noch weiss.

ungeachtet der Fellfarbe sehen sie alle gleich

Zurück zu dem Pferde-Reiter- Paar:

Würde der Hase nun am Weg sitzen, im Blickwinkel beider, der Reiter würde ihn irgendwann erkennen, aber sehr wahrscheinlich lange nach seinem Pferd. Das Pferd hätte sich ruhig auf den Hasen zubewegen können, denn er hätte in dem Sichtfeld beider Augen ein klares erkennbares Bild geliefert. Unser Hase sitzt aber nun irgendwo rechts im Wald. Der Reiter, der entspannt nur den Weg wahrnimmt, erkennt den Hasen nicht, denn der gibt keine größeren Bewegungen oder lauten Geräusche von sich, die den Menschen darauf aufmerksam machen, mal rechts in den Wald zu schauen. Das Pferd aber, ständig gewohnt, die Umgebung im Blick zu haben, erkennt unscharf eine leichte Bewegung und muss sich nun versichern, ob durch diese Bewegung Gefahr entsteht oder nicht. Es wird sofort stehen bleiben, um sich durch das Fokussieren mit beiden Augen  Klarheit über die Situation zu verschaffen. Deshalb läuft der Mensch Gefahr, sich von dem abrupten Anhalten des Pferdes erschreckt zu verhalten. Dieses Verhalten KANN nämlich noch anderes Verhalten wir Wegspringen o.ä. nach sich ziehen. Muss nicht aber kann. Nun kommt es darauf an, was der Mensch gelernt hat, wenn ein Pferd so agiert, wie es unser Beispielpferd tut.

 

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Im Auge des Pferdes sieht die Welt anders aus

Nehmen wir mal an, es ist jung;

Der Reiter kann es anerkennen, das das Pferd sich absichern will und es dafür loben, das es aufgepasst, hingeschaut UND ruhig geblieben ist oder der Reiter kann das Pferd weitertreiben und seinem Bedürfnis keine Aufmerksamkeit zollen. Weitertreiben kann je nach Schrecken des Pferdes bis hin zu harten Strafen führen. Das junge Pferd lernt so nichts Gutes und läuft auf diese Art und Weise Gefahr, nur noch Schreckgespenster wahrzunehmen, da ihm die Erfahrung verwehrt wird, das Bewegung keine Gefahr bedeutet. Das Pferd kann lernen, das Bewegung mit Schmerzen und emotionaler Gewalt beantwortet wird. Die Gefahr befindet sich im Wald und auf ihm. Keine schöne Vorstellung. Jägertier (Mensch) und Beutetier (Pferd) kommen so zu keiner harmonischen Beziehung.

Die Lösung ist wie immer einfach und simpel.

Achtet Das Bedürfnis Eures Pferdes, Dinge scharf sehen zu wollen, um Gefahren einzuschätzen. Je mehr es das darf, umso gelassener kann es werden und bleiben. Wisst, das Ihr als Beutetier nicht mit den gleichen Sorgen umgeht wie das Pferd! Der Mensch kann sich in seiner Natur anders zur Wehr setzen als das Pferd. Kämpfen oder Fliehen, diese beiden Aspekte sind in dieser Situation die Hauptaspekte, ausgelöst durch einen unschuldigen Hasen. Achtet Euer Paare, als das Tier, das es ist und helft ihm durch eigene Gelassenheit, Situationen einschätzen zu lernen. Je mehr das Pferd mit Ruhe lernen durfte, umso sicherer, wird es in Zukunft werden. Deshalb! Raus in die Natur! Lasst Euch Zeit! Lasst dem Pferd Zeit! Denkt immer an die unterschiedliche Wahrnehmungen Eurer beiden Welten! Losgelassenheit in der Wahrnehmung der Welten, bedeutet Losgelassenheit im Zusammensein von Mensch und Pferd.

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Da unterscheiden sie sich nicht voneinander

Achtet die optische Welt Eures Pferdes, sie danken es uns mit Losgelassenheit!

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