Das Pferd und die Zeiten

von Ulrike Lohmann (Kommentare: 0)

Wie geht ein Pferd mit seiner Vergangenheit um?

Das ist schnell beantwortet:

Gar nicht!

Es geht mit seiner Gegenwart um.

Diese basiert auf Erfahrungen der Vergangenheit. Das weiss das Pferd jedoch nicht. Ein Pferd hat keine Vergangenheit, die ihm bewusst ist, ein Pferd hat auch keine Beziehung zu seiner Zukunft. Es plant sie nicht.

Die Boxentür öffnen, weil der Futtereimer lockt, das ist Planung. Es kann testen, ob Strom auf dem Zaun ist, und sich dann entsprechend des Testergebnisses verhalten. Es wird aber nicht planen, morgen und übermorgen auch die Tür zu öffnen, um dann wieder an den Eimer zu gelangen.

Das Pferd stellt keinen bewussten Zeitbezug her.

Es weiss z.B. nicht, das es vor drei Jahren angeritten wurde und der Sattelgurt so schnell so scharf angezogen wurde. Was jedoch bis heute geblieben ist, ist, das ein Sattel unangenehm ist und Schmerz und Druck und Atemnot bedeutet. Nur, WANN es etwas dazu erfahren und gelernt hat, das erinnert es nicht. Die Sinne des Pferdes erkennen den negativen Reiz; das Pferd hört und/oder sieht den Sattel nahen. Der Körper weiss um die negativen Erfahrung und löst entsprechendes Verhalten aus.

Das Pferd verbindet mit dem, was es als äusseren Reiz wahrnimmt angenehmes, etwas unangenehmes oder nichts. Entsprechend ist sein Verhalten: Neugier, Abwehr, etc.

Ein Pferd hat einen Bezug zu den Einflüssen und Eindrücken der Gegenwart. Es verbindet ein Gefühl, ein Verhalten mit dem gegenwärtigen Reiz. Doch dieses momentane Unwohlsein kann es sich nicht aus seiner Vergangenheit heraus erklären.

Somit hat das Pferd einen Bezug zur Vergangenheit, nicht als intellektuelle Erinnerung, sondern als die gelebte Erinnerung des Körpers. Der erinnert sich, das Pferd zeigt dies durch seine Bewegungen und sein Verhalten.

 

Dieses Verhalten nenne ich stressbewältigende Verhaltensmuster.

Ohren anlegen und die daraus resultierende Abwehr bis hin zu Sattelzwang, stellen eine Möglichkeit stressbewältigender Verhaltensmuster dar.

 

Der Mensch hat einen Bezug zu seiner Vergangenheit,

dieser intelektuelle Zugang zu den Zeiten unterscheiden ihn stark vom Pferd. Der Mensch hat auch einen Bezug zu seiner Zukunft. Er kann Wünsche in diese richten, Erwartungen verknüpfen und weit hinein planen (und dann hoffen, das es auch so kommt). Das tut das Pferd nicht.

Der Mensch hat mit den stressbewältigenden Verhaltensmustern des Pferdes in der Gegenwart zu tun. Er hat sie vielleicht nicht ausgelöst, vielleicht war es ein Vorbesitzer, der das Pferd unter zu starken Druck setzte. Der jetzige Pferdemensch hat aber mit den Folgen des vergangenen Stresses zu tun, die das Pferd bisher nicht ablösen konnte. Der Pferdemensch der Gegenwart muss sich nun darum kümmern. Es bleibt daher dabei: die wichtigste Aufgabe des Pferdemenschen ist das stressbewältigende Verhaltensmuster erst gar nicht entstehen oder er muss sich dahingehend darum kümmern, das diese Verhaltensmuster wieder abgelegt werden können.

Das bedeutet natürlich auch, das der Mensch an sich arbeitet. Er muss sich um artgerechte Haltung, um gute Fütterung und pferdegerechte Arbeit kümmern. Dazu muss er aber auch an sich arbeiten, an seinen Ängsten, zu starkem Ehrgeiz, zu wenig Ehrgeiz, an seine Persönlichkeit und die eigene Geschichte.

Diese Aufgabe bereichert das Leben allerdings ungemein. Die Entwicklung und Erfolge gehen dadurch mit der Entwicklung und Erfolgen des Menschen einher. Beide profitieren von diesem MITeinander.

 

Was bedeutet das für die Arbeit von eaSenses?

Das Arbeiten mit dem Pferd und an sich selber lässt beide an Grenzen stossen, weil Stress in Form von Angst oder Aggression etc. die Arbeit behindert. Mit Hilfe von eaSenses wird es möglich, diese vorhandenen Grenzen weiterzustecken und es sich damit leichter zu machen.

Kann Stress auf sanfte Art und Weise gelöst werden, sind Mensch und Pferd in der Lage, sich noch mehr aufeinander einzulassen und entspannter MITeinander an einer Aufgabe zu arbeiten.

Auf der Weide gibt es keine Zeit

Über den kinesiologischen Muskeltest

stellen wir einen Bezug zu dem äusseren Reiz und der vergangenen Erfahrung her. Das ermöglichen wir für den Menschen UND das Pferd. Das das Pferd mit drei Jahren ein Erlebnis mit dem Sattel hatte, ist eine Information für uns. Das Tier kann mit diesem Altersbezug nichts anfangen. Wir Menschen sehr wohl, denn wir wissen, seit wann das Pferd sich mit dieser stressbewältigenden Verhaltensweise versucht, aus dem bestehenden noch ungelösten Stress zu nehmen.

Das stressbewältigende Verhaltensmuster in Bezug zu einem Reiz ist der Weg des Pferdes mit diesem vergangenen Stress umzugehen. Es hat nichts anderes zur Verfügung als seinen Körper und dessen Gedächtnis, um mit uns zu kommunizieren. Der kinesiologische Muskeltest macht dies direkt und sofort erfahrbar und bringt diese Erkenntnis an’s Licht. Deshalb schafft die unmittelbare Erfahrung, die der Muskeltest bietet, eine Klarheit für den Menschen. Es entstehen Worte, über die der Mensch begreifen kann, worum es bei seinem Pferd im Moment geht.

Wenn dann der Muskeltest noch Auskunft darüber gibt, wo sich der Stress im Körper befindet und wie er zu lösen ist, dann kann sowohl der Mensch als auch das Tier dieses Verhaltensmuster ablegen und innerlich und äusserlich zur Ruhe kommen, wieder in die eigene Mitte. Zu innerer und äusserer Losgelassenheit. Da kann das Pferd den Sattel gelassen kommen sehen und sich wehren, wenn es ihm mal wieder zu heftig ist, kein Pferd muss aber schon beim Anblick eines Sattels in Stress geraten und entsprechend reagieren müssen. Der Mensch kann entspannt den Sattel zum Pferd tragen, ohne sich schon vorher gestresste Gedanken über den Moment des Satteln machen zu müssen.

Lösen wir unseren Stress und den unserer Pferde - Sie danken es mit Losgelassenheit!

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