Die Sinne filtern unsere Wahrnehmung der Umwelt

von Ulrike Lohmann (Kommentare: 0)

Wie wir über unsere Umwelt lernen

Pferd und Mensch nehmen die Umwelt und ihre Reize über die Sinne wahr.
Soweit wir heute wissen, sind diese Sinne bei beiden Spezies gleich:
Das Hören - der akustische Sinn
Das Sehen - der optische Sinn
Das Fühlen - der taktile Sinn
Die Körperwahrnehmung - die Propriozeption
Der Geschmack - der gustatorische Sinn
Der Geruch - der olfaktorische Sinn
Der siebte Sinn - Telepathie, Intuition

Wir lernen uns und die Umwelt

über die Eindrücke der Sinne kennen. Diese Eindrücke verarbeiten wir im Gehirn und stellen Verknüpfungen mit Emotionen und damit einhergehenden Verhaltens-und Bewegungsmustern her. Das menschliche Selbstbild entwickelt sich auf dieser Basis.
Alle diese Sinne werden eingesetzt, wenn ein Reiz auf das Lebewesen einwirkt.
Jede Lebenserfahrung, die das Fohlen, der kleine Mensch durchlebt, schult und schärft dessen Sinne.
Gleichzeitig fungieren die Sinne aber auch als Filter:
So, wie guter Hafer als lecker für den olfaktorischen UND gustatorischen Sinn begriffen wird, wird der Filter auf Hafer=Gut! „eingestellt“.
Ab einem gewissen Punkt macht sich das Pferd keine Gedanken mehr darüber, wie es Hafer begreift, er liegt im Trog, weg damit!
Für das Kind ist es das Gleiche: Schokolade riecht gut, schmeckt gut, will ich mehr haben. Sie wird nicht mehr gekostet, sondern als „Schokolade=Gut“! eingestuft und munter weggefuttert, wann immer sich eine Chance ergibt.
 
Das kann aber auch im Negativen geschehen: es wird das erste Mal dieses merkwürdige Kraut auf der Wiese geknabbert, „I-Bäh! Voll bitter“! Von da ab, wird das JKK ignoriert.
 
Oder das Kind bekommt „gesunden“ Rosenkohl zu Mittag...
Die Sinne erfahren "Igitt" oder "lecker" und filtern fortan gutes oder negatives aus dem Reiz und seiner Information. Vermeidungsverhalten oder aber Wohlfühlverhalten sind die Antwort, mit allen beteiligten Bewegungs- und Verhaltensmustern...

So setzt sich das mit allen Sinnen fort;

wir formen uns unsere Welt daraus, was wir wie erlebt haben und dabei erfuhren, wie wir uns verhielten und bewegten. Wir verstehen die Welt auf der Basis unserer Sinne und was sie für uns als Informationen aus der Umwelt filtern.
 
Achtung: sowohl das Pferd als auch der Mensch erachten diese Erfahrungen und die daraus resultierenden Schlussfolgerungen für WAHR!
 
Es kann gar nicht anders sein, denn ich habe das so erlebt und es war gut oder nicht und somit richtig und wahr. Warum sieht der Partner (Mensch / Pferd) das nicht auch so?
Denn, ein Filter filtert eben nur bestimmte Aspekte eines Reizes heraus, andere Aspekte werden gar nicht beachtet und bemerkt. Fluch und Segen zugleich...
 
Daraus entstehen ganz bedeutende Missverständnisse, die uns und unseren jeweiligen Partner belasten. Ziele erscheinen so unerreichbar, weil wir an Grenzen stoßen, die scheinbar nicht zu verschieben sind.
Ruhe und Interesse stehen eng beieinander

Ebenso die Gewichtung der eingesetzten Sinne:

Der Mensch ist ein Augentier und glaubt deshalb, das der meiste Stress für das Pferd davon ausgeht, das es etwas gesehen hat. Der optische Sinn ist aber gar nicht sein wichtigster Sinn, es kann sein, dass das Pferd eben eher etwas gehört hat, was der Mensch entweder gar nicht gehört oder als völlig ungefährlich im gesamten Klangbild eingestuft hat.
Für das Pferd ist in der Reihenfolge der Wichtigkeit der Sinne der Geruchssinn viel wichtiger. Wir Menschen sind da eher „Geruchslegastheniker“, viele Tiere sind uns da um Meilen voraus. Deshalb kommen wir kaum auf die Idee, zu sagen, das das Pferd gerade etwas Erschreckendes gerochen hat. Wir schauen uns um, sehen nichts und wundern uns, was das Pferd gesehen oder gehört haben mag, dass es so erschrocken wegsprang.
 
Wir gehen gar nicht davon aus, dass das Pferd zuerst die Gefahr gerochen hat, bevor es wegspringt. Das ist im täglichen Geschehen auch nicht der wichtigste Punkt. Dieser Punkt ist dann wichtig, wenn es darum geht, langfristige Veränderungen von Stressreaktionen zu erreichen.
 
Wenn ein Filter Gefahr filtert und immer auf diese vermeintliche oder echte Gefahr hin die Umwelt abscannt, dann ist es Zeit, nach dem filternden (auslösenden) Sinn zu suchen und seine körperlichen Auswirkungen zu lösen.
 
Denn: Filtern die beteiligten Sinne eine Gefahr aus der Umgebung, dann setzen beteiligte Bewegungsmuster und Verhaltensmuster ein und das Pferd reagiert auf (s)eine angelernte Weise. Lösen wir den Stress, dann kann das Pferd gelassen(er) auf diesen Umweltreiz bleiben und die beteiligte Muskulatur erfährt keine Bewegungsimpulse z.B. Flucht.

Die Propriozeption ist ein weiteres gutes Beispiel:

Die Propriozeption des Körpers ist vergleichbar mit der Körperwahrnehmung: Ich weiß einfach, wo mein Arm ist, ich weiß, wie ich meinen Absatz halte, das Pferd weiß genau, wo seine Hinterhand sich gerade befindet. Im entspannten Zustand kein Problem. Stress vernebelt aber unsere Wahrnehmung und andere Areale des Gehirns „übernehmen“ die Koordination des weiteren Verhaltens und Bewegungen...
Beispiel:
Der Mensch sitzt, mit sich und der Welt im Reinen, ganz entspannt zu Pferde. Er „fühlt“ sich auf dem Pferd und alles ist gut. Nun sitzt ein Elemück in Form des berühmten Hasens im Gebüsch. Vielleicht aus der Erfahrung heraus, dass das vorige Pferd immer wegrannte, ist der Mensch sofort auf der Hut. Er verliert den Kontakt zu sich und sein Körpergefühl. Sofort übernehmen tiefere instinktgesteuerte Areale des Gehirnes die „Führung“ und bauen Körperspannung auf, um „vorbereitet zu sein auf das, was da kommen wird“.
Das aktuelle Pferd findet den Hasen gar nicht schlimm, ist aber völlig verunsichert ob des angespannten Reiters auf seinem Rücken; der, der da so viel unnützen Druck aufbaut. Das Pferd, verunsichert durch diesen plötzlich auftretenden Druck wird nun auch Misstrauen in der Situation entwickeln.
Um solche Situationen künftig gar nicht erst aufkommen zu lassen, ist es gut, an der eigenen Gelassenheit zu arbeiten und diese Möglichkeit auch dem Pferd zu eröffnen.
Deshalb ist es wichtig, sich mit den eigenen stressanzeigenden Filtern der Sinne in bestimmten Situationen zu beschäftigen.
Welcher Sinn filtert aus der Umgebung einen stressauslösenden Reiz? Welche Muskeln werden daraufhin angesprochen? Welche stressbewältigenden Verhaltensmuster / Bewegungsmuster werden ausgelöst?
Was können wir tun, den Filter so zu „reinigen“, dass der Elemück-Hase wirklich keine Gefahr mehr darstellt?

eaSenses bietet über den Muskeltest Hilfe.

Der Muskeltest als Bio-Feedbacksystem des Körpers „weiß“ genau, worum es geht und was es braucht, wieder in die alte Losgelassenheit zurück zu kommen.
Das Ziel ist, trotz des Elemück-Hasens bei sich bleiben zu können und sich nicht zu verlieren in die alten Geschichten, von: „wann – da – mal – was – war“.
Wenn der Elemück-Hase wieder als Hase begriffen werden kann, dann können alle Beteiligten losgelassen in der Begegnung bleiben.
Das MITeinandersein von Pferd und Reiter wird harmonischer. Das Vertrauen wird tiefer.
Je mehr wir über uns und das Pferd wissen, umso mehr können wir auch Lösungen entwickeln, finden, UND umsetzen. Es entsteht mehr Souveränität für Beide. Ziele für sich selber und /oder mit dem Pferd scheinen plötzlich erreichbarer als vorher, oder können korrigiert werden, weil sie auf einer falschen Voraussetzung beruhten.

Halten wir nicht fest, sondern lassen wir los- Die Pferde danken es uns mit Losgelassenheit!

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