Heute schon geatmet?

von Ulrike Lohmann (Kommentare: 0)

HEUTE SCHON GEATMET?

Habt Ihr eine Ahnung, wie das Pferd atmet? Das es (irgendiwe) atmet, ist klar. Das auch wir (irgendwie) atmen, steht ausser Frage. Aber neben dieser reflexartigen Tätigkeit des Atmens - Wenn Ihr in Euch und das Pferd hineinfühlt - Spürt Ihr die Atmung des Pferdes im Sattel? Spürt Ihr Eure Atmung, wenn Ihr reitet?

Spürt Ihr Eure Atmung und die des Pferdes, wenn Ihr mit dem Pferd etwas anderes macht als Reiten? Wenn Ihr mit am Boden arbeitet, spazierengeht, es pflegt?

Atmen ist ja das einfachste von der Welt, jeder tut es. Dennoch kann Atmen auch schwierig sein, denn Stress verhindert eine gute Atmung. Wir halten die Luft an, wenn es kompliziert wird oder wir uns auch nur stark konzentrieren.

Wir laufen Gefahr, dem Pferd zusätzlich noch die Luft abzuschnüren, indem wir den Sattelgurt andonnern, die Riemen um Maul und Nase festzurren, diverse Hilfszügel Einschnallen und dann u.U. noch das Pferd zu eng halten und somit den Kehlkopf beengen.

 

Wir behindern das Pferd in seiner Atmung, indem wir es über den Punkt, an dem es losgelassen an einem Fortschritt arbeiten kann, weiter gehen. Was passiert, wenn ein Pferd in der Überlastung arbeiten muss? Die Lungen können dem Körper nicht mehr ausreichend Sauerstoff zur Verfügung stellen, denn die Muskulatur kann diesen Sauerstoff nicht mehr umsetzen. Das Pferd verspannt auf der muskulären Ebene. Dies schliesst auch das Zwerchfell mit ein, das ja auch bekanntermassen ein Muskel ist. Die Atmung wird verspannter, der Gasaustausch wird eingeschränkt und das Pferd gerät in einen anaeroben Stoffwechsel. Es braucht dringend ausreichend Pausen, um die Atmung wieder zu beruhigen und den Körper wieder ausreichend zu versorgen. Je nach Kondition ist das mal früher mal später. Der gleiche Vorgang entsteht auch, wenn das Pferd sich nicht mehr konzentrieren kann.

 

Dennoch, meist spüren wir die Atmung nicht, weder unsere eigene, noch die des Pferdes.

Wenn wir in einer Arbeitspause bemerken, das das Pferd schnell atmet, dann haben wir zuviel gemacht und müssen dafür Sorge tragen, das es erst wieder zu der ruhigen Atmung zurückkommt, die wir so nicht mehr wahrnehmen.

Im Galopp haben wir die Möglichkeit, uns der Atmung des Pferdes anzupassen, denn jeder Galoppsprung bedeutet einen Atemzug des Pferdes. JEDER. Das heisst, wenn das Pferd, mit den Vorderbeinen auffasst, atmet es aus, stösst es sich mit der Hinterhand ab, atmet es ein. Das können wir auch! Dies ist die Gangart, in der wir am besten mit der Atmung des Pferdes in Kontakt kommen. Nun müssen wir aber auch mit unserer Atmung in Kontakt bleiben können. Da kann uns dann der eigene Stress, in Form von Angst vor dieser Gangart, oder weil wir noch mit der eigenen Balance beschäftigt sind, oder weil wir noch mit der Koordination der Hilfen beschäftigt sind, oder… das Gefühl für die eigene Atmung nehmen. Wir halten den Atem an.

Tipp für Euch: geht einmal weg von der Lektion und ihrer möglichst perfekten Ausführung. Beschäftigt Euch mal mit Eurer Atmung zu Pferde , auch am Boden, egal wo! Versucht, wenn Schwierigkeiten auftauchen, bewusst zu atmen. Damit meine ich nicht das forcierte Atmen, das man gern hört und besonderes Streben nach gutem Atmen symbolisieren soll. Achtet auf Euren natürlich Atem, der ist viel hilfreicher, denn ein Atem, der gut fliesst trägt viel mehr zur eigenen Beruhigung und Beruhigung des Pferdes bei!

Achtet darauf, das Euer Pferd FREI atmen kann. Das ist das einfachste von dieser Welt. Löst die Riemen, schmeißt überflüssige Riemen weg, die braucht kein Pferd! Achtet auf Eure innere Losgelassenheit und die des Reitlehrers, denn zu viel Druck von unten oder der Bande verhindern fliesendes Atmen!

 

Pferd atmet
Pause und Atmen beruhigt die Sinne

Macht Pausen, um den Atem wieder zur Ruhe kommen lassen zu können!

Spürt hinein, in Euch, in das Pferd.

Und dann hat das Pferd eine Belohnung für Euch, nämlich dann, wenn Ihr in einer Bewegung spüren könnt, wie es laut und deutlich tief durchatmet! Lasst genau dieses zu und freut Euch daran, es atmet tief ein, es atmet tief aus, es kann dabei leicht grummeln, stöhnen, seufzen, was auch immer. DAS IST FREIHEIT, dem Pferd die Atmung zu ermöglichen, die es braucht, um den Anforderungen mit ausreichend Sauerstoff begegnen zu können. Es ist sein Ausdruck, das es loslassen kann!

ATMET UND LASST EURE PFERDE ATMEN! SIE DANKEN ES MIT LOSGELASSENHEIT!

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