Mensch und Pferd in Resonanz

von Ulrike Lohmann (Kommentare: 0)

Eine weit verbreitete Meinung ist, das Pferde uns spiegeln.



Ist das wirklich so? Kann ein Pferd einen Menschen spiegeln?

Das denke ich nicht. Meine These ist:
Mensch und Pferd befinden sich in Resonanz miteinander oder auch zueinander.
Mein Begriff eines Pferdes ist, es als ein sich selbst gehörendes Wesen anzuerkennen. Dieses Wesen besteht im Grunde völlig unabhängig von mir. Im ersten Moment hat sein Leben mit meinem Leben nichts zu tun. Auf den zweiten Blick teilen wir einen Teil des Lebens miteinander; wir stehen in Beziehung zueinander.
Im Guten, wie im Schlechten, denn wir nehmen teil an den eigenen Stärken und Schwächen und an dem des jeweils anderen.
Mensch und Pferd befinden sich in Resonanz.

Wie das?

Das Pferd ist ein Individuum mit seinem ihm eigenen Wesen, seinem einzigartigen Körper und seinen speziellen Lebenserfahrungen. Diese Trias macht das Pferd zu dem, was es ist. Wir kennen einige seiner Wesensanteile, andere liegen in seiner Vergangenheit verborgen oder wir kennen sie nicht, weil wir nicht 24 h mit ihm zusammen sind.
Wir Menschen sind ebenfalls Individuen. Wir sind der Mensch der wir sind, auf der Basis unseres uns eigenen Wesens, unseres einzigartigen Körpers und unseren speziellen Lebenserfahrungen. Einiges wissen wir über uns, vieles haben wir aber im Unterbewussten oder auch in der Körpererinnerung abgespeichert. Es gilt als „vergessen“.
Ruhe, die von beiden ausgeht
Pferde erkennen uns auf der Basis ihrer Sinneswahrnehmungen und ihrer darauf aufbauenden Erfahrung. Für sie sind wir vielleicht etwas „behindert“, aber irgendwie wird es mit uns schon gehen, sie passen ganz gut auf uns auf...
Im Unterschied zum Pferd sind wir Menschen in der Lage, Situationen, die uns betreffen, zu reflektieren. Das Pferd agiert und reagiert auf der Basis seiner Lernerfahrungen, die es im Kontakt mit der Umwelt über die Sinne erlebt hat. Da täusche sich keiner über die Klugheit, mit der ein Pferd vorgeht, sie sind nicht Dumm.
Treten wir nun mit dem Pferd in eine Beziehung, dann beginnen bestimmte Saiten in ihm und in uns zu „klingen“. Das Pferd erkennt uns auf seine ihm eigene ganzheitliche Wahrnehmung der Umwelt und richtet sein Verhalten danach aus.
Wir erkennen je nach geistiger und emotionaler Offenheit mehr oder weniger das Pferd und interpretieren es auf der Basis unserer Meinungen und Erfahrungen. Das, was Mensch und Pferd im jeweils anderen wahrnehmen bringt eben im eigenen Inneren bestimmte Saiten zum Klingen. Da wir diese Resonanz im anderen finden, erscheint es uns so, als ob das Pferd diese spiegeln würde. Es spiegelt aber nicht, es ist ein Pferd. Es erkennt eine bestimmte Unsicherheit bei uns und reagiert mit einer ihm eigenen Unsicherheit, deren Ursache wir aber nicht kennen oder erkennen können. Es sind ZWEI Unsicherheiten, die da in Resonanz gehen.

 

Wir finden aber UNS in Resonanz mit dem Pferd.

Wir erkennen unsere Stärken und Schwächen ÜBER das Tier. Deshalb können wir so viel über uns durch das Pferd lernen.
Wir glauben, das Pferd nimmt uns etwas ab, das tut es nicht, das sollte es auch nicht, denn es ist nicht für unser Weh und Ach zuständig. Dennoch hat unser Verhalten natürlich eine Auswirkung auf das Pferd, auf sein Weh und Ach. Wir sind dafür zuständig, dass wir uns um das Pferd UND um uns kümmern und negativen Lebenserfahrungen ihre Wichtigkeit nehmen.
Für das Pferd gilt, das seine Saiten, die mit uns in Resonanz stehen, beginnen, zu klingen. Seine Stärken und Schwächen treten zutage. Etwas, das mit einem anderen Menschen unwichtig war, wird nun mit uns wichtig und tritt in den Vordergrund. Da wir über die Möglichkeit der Reflektion verfügen, ist es unsere Verantwortung sich darum zu kümmern. Lösen wir den auslösenden Stressor, dann können wir eine Schwäche hin zu Stärke verändern.

HINTER JEDER SCHWÄCHE STECKT EINE STÄRKE!

Unter Stress erkennen wir das aber nicht, aber das Pferd erkennt dies sehr schnell, quasi sofort, und richtet sein Verhalten danach aus. Dadurch ist es auch dem Tier möglich, seine Schwächen wieder in den Hintergrund treten zu lassen und die eigenen Stärken zum Tragen zu bringen. Oder eben auch nicht, denn es ist ein individuelles Wesen mit Möglichkeiten, Veränderungen für sich in Anspruch zu nehmen oder nicht.
Negative Lebenserfahrungen können wir nicht rückgängig machen, sie sind geschehen und haben ihre Auswirkungen auf uns und das Pferd. Geistig und Körperlich. Indem wir uns damit auseinandersetzen, können wir ihnen die Wichtigkeit und Macht über unsere Leben nehmen.
Musikalisch betrachtet, verändert sich die gemeinsame Musik, andere Saiten geraten in Schwingung und Resonanz zueinander. Obertöne entstehen, sie machen erst das Besondere an der Melodie aus.
Jede Veränderung verändert die Musik. Achten wir darauf, dass die gemeinsame Musik immer harmonischer und schöner wird.
Mensch und Pferd haben es verdient. Zu jeder Zeit. Immer.

Achten wir auf alle Resonanzen und Schwingungen in der Beziehung mit dem Pferd - sie danken es uns mit Losgelassenheit

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