Mensch und Pferd-über das Funktionieren

von Ulrike Lohmann (Kommentare: 0)

Funktionieren ist das Ende von Individualität

„Frau Müller! Haben Sie Dieses schon erledigt?“
„Herr Meyer! Wo bleibt...!“
Kennen Sie das? Auf der Arbeit, als Leitung eines (kleinen) Familienunternehmens (s. die Verfasserin), im Freundeskreis, in der Beziehung, häufig und immer mehr haben wir das Gefühl, das wir nur noch funktionieren müssen, um den Alltag irgendwie bewältigen zu können. Anforderungen an unsere Arbeitskraft, in kurzer Zeit viel schaffen zu müssen ODER auch in viel Zeit wenig zu tun zu bekommen. Nicht genügend gut zu sein, in Konkurrenz zu Kollegen stehen (zu müssen). Das engt unser Leben sehr ein.

 

Unser Alltag ist häufig dicht

angefüllt mit Anforderungen und Terminen. Freiwilligkeit oder Kreativität bleiben schnell auf der Strecke. Zeit und Muße sind schon fast Fremdwörter und mit wenig Leben gefüllt.
Der Alltag frisst uns auf und wir haben ewig den nächsten Schritt, den nächsten Termin, das nächste Irgendwas im Nacken. Wir haben so auch die Fahrt in den Stall auf der To-Do- Liste.
17:00 Uhr, ab durch den Stau in den Stall. Mist, zu spät, der Stau hat Zeit gebraucht, also heute nur Kurzprogramm. Pferd schnell rauspflücken, rasch putzen, rasch die Aufwärmübungen und den Rest der Arbeit absolvieren, absatteln, Möhrchen geben, zurück und währenddessen noch mit den Stallnachbarn über Themen austauschen.
Läuft es gut, macht Hotti mit. Hotti schaut freundlich auf den gestressten Menschen, der das gar nicht fühlt; weder den freundlichen Blick noch den eigenen Stress. Aber, Hotti hat ja auch gelernt, dass es besser ist, zu funktionieren und macht einfach mit, ohne eigene Ideen einzubringen aber auch ohne besonderen Lebensfunken. Es ist einfach ein „ruhiges unkompliziertes Pferd“, das seinem Menschen keine Mühen des bewussten Hinschauens abverlangt. Es funktioniert halt. Hotti hat von klein auf gelernt, das ein Hinzutun von eigenen Ideen Ärger bringt und sehr unangenehm werden kann. Also, lässt sich Hotti fahrig putzen, schnell satteln und halt reiten, egal, wie Hotti sich dabei fühlt. Es muss ja und geht auch wieder vorbei. Hotti hat gelernt, das Funktionieren besser als die Gerte ist und das der Alltagsdruck des Menschen einfach zu ihm gehört und er keine emotionale Zeit übrig hat. Ebensowenig in Gedanken bei ihm ist. Hotti fühlt sich einsam, gestresst, halt nicht gut, hat aber gelernt, zu funktionieren.

 

Beide, Mensch und Pferd sind nicht zufrieden;

zumindest der Mensch nimmt sich keine Zeit, die Dinge zu hinterfragen, und solange alles läuft, besteht auch keine Notwendigkeit. Läuft ja, klappt, funktioniert. Schaut der Mensch in seinem Erleben nach rechts oder links, dann könnte es ihn aus seiner einengenden aber funktionierenden Routine bringen. Also schaut er nicht und verpasst so viel.
 
Wir lieben unser Pferd haben jedoch keine emotionale Zeit!
 
Wenn es schlecht läuft, hat Hotti heute eine ganz andere Meinung über das Arbeiten als sein Mensch. Draußen war z.B. Wetterumschwung oder ein neues Pferd ist eingezogen, ein Elemück (s. www.eaSenses.de) sitzt in der Ecke; zumindest ist Hotti abgelenkt und will nicht so wie sonst. Hotti funktioniert nicht und bringt so seinen Menschen aus der Routine des Drucks. Der Mensch läuft nun Gefahr, durch noch mehr Druck ein Funktionieren einzufordern, notfalls mit allen Mitteln: „Setz Dich durch“, „Der verarscht Dich“, „Immer macht Hotti an dieser Stelle Schwierigkeiten“, „Hände...; Sitz...; Gerte...!“. Das kann so lange gehen, bis Hotti aufgibt und wieder nur funktioniert. Der Mensch kann wieder in seinen gewohnten Trott zurückfallen und macht weiter. Mit noch mehr Stress verlässt der Mensch sein Pferd und fühlt sich noch mehr unter Druck. Bis morgen...

 

Darüber und über viele, viele weitere Situationen

ließe sich noch stundenlang schreiben.
Aber, so wenig, wie das Erleben von „Funktionieren“ Spaß macht, so wenig macht es Spaß, darüber zu schreiben.
Spaß kann es machen, wenn wir anfangen, uns Gedanken darüber zu machen, OB wir nicht doch etwas verändern können, zu unserem Wohle und dem Wohle von Hotti.
Viele Probleme, die wir mit unserem Alltag haben, spiegeln sich im Umgang mit unserem Pferd wieder. Wir fragen weder nach seinem noch nach unserem inneren Erleben. Es muss so funktionieren, wie wir es ja auch tun. Allerdings zeigt uns das Pferd auch seine Probleme auf, z.B. der neue Stallnachbar oder eine neue Umgebung, in die das Pferd verbracht wurde. Wir nehmen uns nur nicht die Zeit, gründlich hinzuschauen, denn Routine erlaubt keine Veränderung über ein gewisses Maß hinaus.
Was wäre, wenn wir uns entscheiden, die Zeit im Stall wirklich MIT unserem Pferd zu verbringen?
Was wäre, wenn wir neben der Arbeitstasche auch unseren Alltag im Auto lassen und dort einschließen?
Was wäre, wenn wir unser Herz, unsere Augen, unsere Ohren, all unsere Sinne im Stall FÜR uns und das Pferd öffnen?
Wenigstens hier haben wir die Möglichkeit, einmal wir Selbst sein zu können und uns und unser Pferd wahr- und anzunehmen.
Die Zeit im Stall erfährt dann eine ganz neue Dimension und Qualität, denn aus Funktionieren entsteht Lebendigkeit, die sich im Mensch-Pferd-Paar spiegelt und zeigt. Ein Aufeinander zu gehen, ein Miteinander-Sein, Freude an gemeinsamer Bewegung, all das kann so ein freudvolles harmonisches Miteinander bringen, das aus dieser Stallzeit die wertvollste Zeit des Tages werden kann.

 

Gesteckte Ziele können um ein Vielfaches LEICHTER erreicht werden, wenn beide Partner losgelassen bleiben, geistig und mental.

Es ist manchmal schwierig, sich diese Losgelassenheit zu gönnen. Erscheint es kaum möglich, ist es gut, sich Hilfe zu holen. Das kann gerne bei und mit eaSenses geschehen, aber natürlich gibt es auch viele weitere Möglichkeiten, sich auf den Weg zu sich und seinen eigenen Talenten und Fähigkeiten zu machen. Ebenso zu der Individualität, den Talenten und Fähigkeiten des Pferdes.
eaSenses hilft dem Pferd ebenfalls, seinen Stress auf und mit dem Funktionieren lösen zu können.
Wenn zwei Individuen sich aufeinander einlassen und miteinander arbeiten, dann bekommt die gemeinsame Zeit ein Vielfaches mehr an Freude, Frieden und Harmonie. Dies strahlt auch nach außen ab.
Hotti kann loslassen, der Mensch kann ebenfalls loslassen. Losgelassene Zeit bringt losgelassene neue Erfahrungen, bringt vielleicht auch mehr Losgelassenheit im Alltag von Mensch und Pferd. Ein Prozess, der im Stall begann und auf das Leben abstrahlt. Mensch und Pferd profitieren.
 

Aus Funktionieren wird Leben!

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